kann man mit schulden auswandern

Ich bin dann mal weg! Das Auswandern ist ein Traum, den viele Menschen teilen. Doch was passiert mit Schulden bei einem Umzug in ein anderes Land? Die Aussicht auf ein neues Leben in einem anderen Land ist aufregend, auswandern mit Schulden bringt jedoch ernsthafte Herausforderungen mit sich. Können Sie Ihre Schulden aus der Ferne bewältigen und dennoch einen Neuanfang wagen, oder werden Ihre finanziellen Probleme Ihren Träumen im Weg stehen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ja, das Auswandern mit Schulden ist grundsätzlich erlaubt, es gibt jedoch wichtige Fristen und Pflichten, die Sie vorher kennen sollten.
  • Ihre Schulden bleiben auch im Ausland bestehen und können unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin eingetrieben werden.
  • Wer eine gesetzlich vorgeschriebene Vermögensauskunft verweigert, riskiert unabhängig vom Wohnort rechtliche Konsequenzen.
  • Seit einer Gesetzesreform kann eine Privatinsolvenz bereits nach 3 statt früher 6 Jahren zur Schuldenfreiheit führen, auch das ist bei der Entscheidung relevant.

Mit Schulden auswandern, geht das?

Ja, es ist erlaubt, mit Schulden auszuwandern. Es gibt keine gesetzlichen Beschränkungen, die Sie daran hindern, in ein neues Land zu ziehen, wenn Sie Schulden haben. Sie können frei wählen, wo Sie leben möchten, unabhängig von Ihrer finanziellen Situation.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Auswandern mit Schulden zwar rechtlich zulässig ist, dies jedoch nicht bedeutet, dass Sie Ihre Schulden nicht zurückzahlen müssen. Ein finanzieller Neustart ist daher nicht allein durch den Umzug ins Ausland getan. Ihre Verpflichtung zur Rückzahlung der Schulden bleibt bestehen, und Gläubiger können weiterhin Maßnahmen ergreifen, um das ihnen geschuldete Geld einzutreiben, auch während Sie sich in einem anderen Land befinden. Daher sollten Sie Ihre Schulden proaktiv angehen, unabhängig von Ihrem Wohnsitz.

Mit Schulden auswandern

Auswandern mit Schulden – was muss ich beachten?

Eine Auswanderung ist ein bedeutender Schritt in vielerlei Hinsicht. Schon Monate im Voraus müssen Sie zahlreiche Vorbereitungen treffen. Es ist ratsam, frühzeitig einen Termin mit Ihrer Bank zu vereinbaren, um alle offenen Fragen vor dem Umzug ins Ausland zu klären. Beispielsweise, ob das SEPA-Lastschriftverfahren in Ihrem neuen Heimatland grundsätzlich anwendbar ist, oder wie mit offenen Darlehensbeträgen verfahren wird.

Darüber hinaus muss geklärt werden, wie der Kontowechsel erfolgt. Eine reibungslose Organisation der Finanzen vor, während und nach dem Umzug erfordert sorgfältige Planung, ist jedoch gut machbar. Kunden von Filialbanken können in der Regel Unterstützung von ihren Beratern erhalten.

Werde ich meine Schulden los, indem ich auswandere?

Nein, das Auswandern in ein anderes Land befreit Sie nicht von Ihren Schulden. Selbst wenn Sie umziehen, bleiben Ihre Schulden bestehen. Gläubiger verfügen über verschiedene Methoden, um die Eintreibung von Schulden durchzusetzen, unabhängig von Ihrem Wohnsitz. Zudem bleibt die Verjährungsfrist für Schulden unverändert, egal wo Sie leben. Titulierte Forderungen, also gerichtlich festgestellte Schulden, verjähren nach § 197 BGB beispielsweise erst nach 30 Jahren. Ihre finanziellen Verpflichtungen werden durch einen Umzug ins Ausland also nicht aufgehoben.

Auswandern außerhalb der EU

Auswandern innerhalb der EU

Auch in anderen EU-Ländern gibt es Inkassounternehmen, von denen Sie im Auftrag Ihres Gläubigers kontaktiert werden können. Innerhalb der EU stehen Gläubigern dafür gleich zwei rechtliche Wege zur Verfügung. Zum einen der europäische Vollstreckungstitel, der pfändbare Vermögenswerte auch im Ausland zugänglich macht. Zum anderen die sogenannte Brüssel-Ia-Verordnung (EU) Nr. 1215/2012, die seit 2015 gilt. Sie erlaubt es, ein deutsches Urteil in jedem anderen EU-Mitgliedstaat direkt vollstrecken zu lassen, ohne dass dort zunächst ein separates Anerkennungsverfahren durchlaufen werden muss. Für Sie als Schuldner bedeutet das, dass ein Umzug innerhalb der EU rechtlich keinen nennenswerten Schutz vor bestehenden Forderungen bietet.

Auswandern außerhalb der EU

Auswandern außerhalb der EU

Wenn Sie Schulden haben, mag der Gedanke verlockend erscheinen, einfach auszuwandern und den Zahlungen damit zu entgehen. Leben Sie außerhalb der EU, müssen Sie in Deutschland keine Angaben zu Ihrem neuen Wohnsitz machen. Das macht es für den Gläubiger schwerer, Sie ausfindig zu machen. Ganz ohne Risiko ist das jedoch nicht.

Wichtig zur Vermögensauskunft: Wer sich der Vollstreckung entziehen möchte, sollte wissen, dass Gläubiger beim Gerichtsvollzieher eine sogenannte Vermögensauskunft erzwingen können. Bleiben Sie dem dafür angesetzten Termin unentschuldigt fern oder verweigern Sie die Auskunft ohne triftigen Grund, kann das Gericht auf Antrag des Gläubigers einen Haftbefehl zur Erzwingung dieser Auskunft erlassen (§ 802g ZPO). Dieser Haftbefehl entsteht also nicht automatisch durch bestehende Schulden, sondern durch die Verweigerung der Mitwirkungspflicht. Bei einer Wiedereinreise nach Deutschland kann ein solcher Haftbefehl dann vollzogen werden.

Privatinsolvenz: Schneller schuldenfrei seit der Reform

Ein Punkt, der bei der Entscheidung für oder gegen eine Auswanderung oft übersehen wird: Seit dem 1. Oktober 2020 dauert die reguläre Privatinsolvenz in Deutschland nur noch 3 Jahre bis zur Restschuldbefreiung, vorher waren es 6 Jahre (weitere Details bei der Verbraucherzentrale). Nach Ablauf dieser sogenannten Wohlverhaltensphase werden Ihnen die verbleibenden Schulden erlassen und Sie starten offiziell schuldenfrei.

Diese Verkürzung kann für viele Betroffene eine deutlich attraktivere und sicherere Lösung sein als eine Auswanderung, bei der die Schulden schlicht bestehen bleiben. Wichtig ist, dass Sie vor der Privatinsolvenz zunächst versuchen müssen, sich außergerichtlich mit Ihren Gläubigern zu einigen, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Erst wenn dieser Versuch scheitert, kann das Insolvenzverfahren eröffnet werden.

Welche Lösungen kann mir die Auswanderung bieten?

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, auszuwandern mit dem Ziel, langfristig schuldenfrei zu werden. Wenn Sie beispielsweise im Ausland deutlich bessere Karrierechancen haben, könnte dies eine gute Möglichkeit sein, Ihre Schulden schneller abzuzahlen.

Es ist generell ratsam, vor dem Umzug in ein anderes Land einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, da einige Länder bei Einwanderung den Nachweis ausreichender finanzieller Mittel verlangen. In diesen Fällen kann es notwendig sein, Ihre Schulden noch vor der Auswanderung zu begleichen.

Sprechen Sie mit Ihren Gläubigern und versuchen Sie, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, bevor Sie das Verfahren einer regulären Insolvenz durchlaufen müssen oder schlimmstenfalls sogar Ihre Vermögenswerte gepfändet werden. Liegt bereits ein Vollstreckungstitel vor, sollten Sie so schnell wie möglich handeln, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Für Länder außerhalb der EU gilt besondere Vorsicht, da es dort oft keine sozialen Leistungen gibt, die mit denen in Deutschland vergleichbar sind. In Härtefällen ist nicht einmal das Existenzminimum garantiert. Nicht zuletzt müssen die Umzugskosten berücksichtigt werden, die bei einer Auswanderung in ein fernes Land sehr hoch ausfallen können.

Wichtig: Wenn Sie verschuldet auswandern, sollten Sie wissen, dass Einwanderungsbehörden je nach Land finanzielle Auskünfte anfordern können. Informieren Sie sich daher im Vorfeld ausreichend über Regulierungen und Gesetze in Ihrem Zielland.

Kann ich nach dem Umzug trotz Nichtbegleichung meiner Schulden nach Deutschland einreisen?

Kann ich nach dem Umzug trotz Nichtbegleichung meiner Schulden nach Deutschland einreisen?

Grundsätzlich ja. Die bloße Existenz von Schulden führt nicht zu einem Einreiseverbot oder einer automatischen Festnahme. Ein rechtliches Risiko besteht jedoch, wie oben beschrieben, wenn Sie eine Vermögensauskunft verweigert oder einen entsprechenden Termin versäumt haben und deshalb ein Haftbefehl nach § 802g ZPO gegen Sie vorliegt. Dieser bleibt auch über Landesgrenzen hinweg gültig und kann bei Ihrer Rückkehr vollzogen werden.

Gläubiger können außerdem einen vollstreckbaren Titel vor Gericht erwirken. Solche Vollstreckungstitel sind 30 Jahre lang gültig, und bei jedem erfolglosen Vollstreckungsversuch beginnt die Verjährungsfrist von neuem (mehr dazu unter Verjährung von Schulden). Selbst die Mindestverjährungsfrist von 30 Jahren ist eine sehr lange Zeit, in der Sie die Schulden möglicherweise aus den Augen verlieren, besonders, wenn Sie im Ausland leben. Die Schulden wachsen währenddessen durch Zinsen und Verzugszuschläge stetig weiter an.

Achtung: Selbst ohne strafrechtliche Konsequenzen können negative SCHUFA-Einträge die Suche nach einer Wohnung, einem Mobilfunkanbieter oder einer Bank nach der Rückkehr deutlich erschweren.

Welche Alternativen habe ich in Deutschland, um meine Schulden zu bewältigen?

Wenn Sie in Deutschland mit Schulden zu kämpfen haben, ist die Auswanderung ein auf den ersten Blick attraktiver, in vielen Fällen aber nicht sehr effektiver Weg, Ihre finanzielle Situation zu bewältigen. Die Vermeidung Ihrer Verpflichtungen kann verheerende Folgen haben. Es gibt jedoch Alternativen zur Verbesserung Ihrer finanziellen Lage, die wesentlich sicherer sind und weniger Risiken bergen.

Umschuldung

Umschuldung

Wenn Sie eine gute Kreditwürdigkeit und hochverzinsliche Schulden haben, könnten Sie sich für einen zinsgünstigen Privatkredit qualifizieren. Die Umschuldung kann Ihnen dabei helfen, die Zinsbelastung zu verringern, Ihre monatlichen Zahlungen besser handhabbar zu machen und auf lange Sicht Geld zu sparen.

Schuldnerberatung-Alternativen

Schuldenrückzahlungsstrategie

Durch die Einhaltung Ihrer Mindestzahlungen und das Hinzufügen eines kleinen Extras können Sie beschleunigte Schuldenrückzahlungsstrategien wie die Schneeball- oder Lawinenmethode anwenden. Diese Ansätze können Ihnen dabei helfen, Ihre Schulden schneller abzuzahlen und die Gesamtzinsbelastung erheblich zu reduzieren. Bei der Schneeballmethode werden zunächst die kleinsten Schulden beglichen, während sich die Lawinenmethode auf die Tilgung der Schulden mit den höchsten Zinssätzen fokussiert.

Schuldnerberatung

Schuldnerberatung

Ein Schuldnerberater bietet Ihnen kostenlose, auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung und unterstützt Sie dabei, einen Schuldenmanagementplan zu entwickeln. Die Beratungsstelle handelt gemeinsam mit Ihnen niedrigere Zinssätze und Zahlungen für Ihre ungesicherten Schulden aus. Gegen eine geringe Vorab- und Monatsgebühr kann sie Sie über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren auch bei der Verwaltung Ihrer monatlichen Zahlungen unterstützen.

Schuldenregulierung

Schuldenregulierung

Wenn Sie mit Ihren Schulden im Rückstand sind, ist es möglich, eine außergerichtliche Einigung mit Ihrem Gläubiger zu erzielen, um den geschuldeten Gesamtbetrag zu senken. Schuldenregulierungsunternehmen und Anwaltskanzleien können Ihnen in diesem Prozess beistehen. Es ist dabei überaus wichtig, sich vor hohen Gebühren und potenziellen Betrügereien zu schützen. Beachten Sie, dass die Schuldenregulierung Ihre Kreditwürdigkeit erheblich beeinträchtigen kann.

Insolvenz

Privatinsolvenz

Ein Insolvenzverfahren sollte im Allgemeinen als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind. Wie im Abschnitt oben beschrieben, dauert die Privatinsolvenz seit der Reform 2020 in der Regel nur noch 3 Jahre bis zur Restschuldbefreiung. Dieser Prozess kann spürbare Erleichterung bieten, hat jedoch auch Auswirkungen auf Ihre Kreditwürdigkeit während der Verfahrensdauer.

Jede dieser Optionen hat ihre Vor- und Nachteile, daher ist es wichtig, Ihre individuelle Situation sorgfältig zu prüfen und bestenfalls professionelle Beratung einzuholen. Es ist möglich, eine tragfähige Lösung für Ihre finanzielle Situation zu finden, auch ohne einen Umzug ins Ausland.

Fazit

In bestimmten Lebenssituationen kann ein Umzug ins Ausland sinnvoll sein, dieser löst jedoch in der Regel nicht das Schuldenproblem. Bevor Sie eine Auswanderung in Erwägung ziehen, sollten Sie zunächst Ihre finanzielle Situation in Deutschland vollständig klären. Dank der seit 2020 verkürzten Privatinsolvenz und weiterer Alternativen wie Umschuldung oder Schuldnerberatung gibt es heute mehr Wege als früher, Ihre finanzielle Situation auch ohne den Umzug ins Ausland langfristig zu verbessern.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich auswandern, wenn ich in Deutschland Schulden habe?

Ja, es ist möglich, trotz Schulden aus Deutschland auszuwandern. Es gibt keine gesetzlichen Beschränkungen, die Sie daran hindern, mit bestehender Verschuldung in ein anderes Land zu ziehen. Allerdings bleiben Ihre Schulden bestehen, und Ihre Gläubiger können die ausstehenden Beträge unabhängig von Ihrem Wohnort weiterhin eintreiben.

Was passiert mit Schulden, wenn ich ins Ausland ziehe?

Ihre Schulden bestehen unabhängig von Ihrem Wohnsitz weiter. Innerhalb der EU können Gläubiger Forderungen über den europäischen Vollstreckungstitel oder die Brüssel-Ia-Verordnung durchsetzen. Außerhalb der EU ist die Durchsetzung schwieriger, aber nicht ausgeschlossen, insbesondere über internationale Inkassounternehmen. Es ist daher wichtig, Ihre Schulden im Auge zu behalten und noch vor Ihrer Auswanderung eine passende Lösung für Ihre Situation zu finden.

Muss ich beim Auswandern eine Vermögensauskunft abgeben?

Wenn ein Gläubiger einen entsprechenden Termin beim Gerichtsvollzieher ansetzt und Sie dazu geladen werden, besteht diese Pflicht grundsätzlich weiter, auch wenn Sie im Ausland leben. Wer den Termin unentschuldigt versäumt oder die Auskunft ohne Grund verweigert, riskiert einen Haftbefehl nach § 802g ZPO, der bei einer späteren Einreise vollzogen werden kann.

Kann ich bei bestehender Privatinsolvenz auswandern?

Ja, Sie können auch während einer Privatinsolvenz auswandern. Es ist jedoch wichtig, Ihren Insolvenzverwalter über Ihre Pläne zu informieren und sicherzustellen, dass Sie weiterhin den Verpflichtungen Ihres Insolvenzverfahrens nachkommen. Der Umzug ins Ausland entbindet Sie nicht von den Auflagen und Zahlungen, die im Rahmen des Insolvenzverfahrens vereinbart wurden.

Was sollte ich vor der Auswanderung mit Schulden beachten?

Bevor Sie mit Schulden auswandern, sollten Sie unbedingt Ihre finanzielle Situation klären. Sprechen Sie mit Ihren Gläubigern, um eine mögliche Einigung zu erzielen, und prüfen Sie alternative Lösungen wie Umschuldung, Schuldnerberatung oder eine Privatinsolvenz, die seit 2020 bereits nach 3 Jahren zur Schuldenfreiheit führen kann. Es ist auch ratsam, sich gründlich mit den rechtlichen und finanziellen Bedingungen in Ihrem Zielland vertraut zu machen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

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